Eine Herzinnenhautentzündung (Endokarditis) wird meist durch Bakterien verursacht, die eine bakterielle Infektion im Körper hervorrufen. Dabei entsteht eine Entzündung an der Herzinnenhaut. Dieses Gewebe überzieht die Herzhöhlen, die Papillarmuskeln und die Herzklappen.

Hohes Fieber, Schwindel, Appetitlosigkeit weisen meist auf einen grippalen Infekt hin. In seltenen Fällen kann es sich aber um eine Entzündung der Herzinnenhaut, Endokarditis, handeln. Sie bereitet ähnliche Symptome.

Im Gegensatz zur einfachen Verkühlung ist bei einer Endokarditis rasches Handeln lebensnotwendig. Wer zu lange wartet, riskiert eine Ausbreitung der Infektion auf das Gehirn oder den Verschluss von Blutgefäßen, eine sogenannte Embolie. Der erste Ansprechpartner in diesem Fall ist der Facharzt für Innere Medizin und Kardiologie.

Was ist eine Herzinnenhautentzündung?

Die Herzinnenhaut, Endokard, kleidet die Herzhöhle, Herzklappen und den Herzmuskel aus. Sie besitzt eine glatte Oberfläche und verhindert so, dass sich Ablagerungen an der Herzwand festsetzen, mit dem Blutstrom wandern und Gefäße verstopfen. Sie garantiert einen gleichmäßigen Blutfluss, das Herz arbeitet mit voller Leistung.

Mediziner unterscheiden in zwei Arten der Herzinnenhautentzündung:

  • Bakterielle Herzinnenhautentzündung
  • Abakterielle Herzinnenhautentzündung

Erster liegt, wie ihr Name schon sagt, eine bakterielle Infektion zu Grunde.

Beide Fälle kommen selten vor. Betroffen davon sind meist Männer um das 60. Lebensjahr und Menschen, die einer Risikogruppe angehören. Diese Risikogruppen sind:

  • Ältere Menschen mit Herzklappenerkrankungen
  • Patienten mit Herzimplantaten
  • Endokarditis Vorerkrankte
  • Diabetiker, die Insulin spritzen
  • Drogenabhängige

In etwa einem Drittel der Fälle kann, vor Ausbruch der Infektion, keine Vorschädigung nachgewiesen werden.

Ursachen

Bereits das Zähneputzen reicht aus, um unseren Körper mit Krankheitserregern in Kontakt zu bringen. Ist der Mensch gesund, das bedeutet abwehrstark, dann fährt der Organismus im selben Moment Mechanismen hoch, um die Invasoren schnell wieder los zu werden:

Anatomische Barrieren:

Schleimhäute, Nasenhaare, Flimmerhärchen in den Bronchien verhindern auf mechanischem Weg, dass Viren, Bakterien, Pilze weiter ins Körperinnere vordringen. Genügt dies nicht, dann tritt die

Natürliche Abwehr in Aktion:

Fresszellen machen sich an die Arbeit, umschließen körperfremde Eindringlinge und lösen sie auf. Um den Erreger bei einer nächsten Infektion zu erkennen, verfügen wir über die

Intelligente Abwehr:

Lymphozyten aus dem Knochenmark siedeln in der Milz und den Lymphknoten. Dort bilden sie Antikörper, die bei einer Neuinfektion immer wieder auf den Plan treten. Ein immunologisches Gedächtnis für viele Jahre sozusagen.

Menschen mit einem geschwächten Immunsystem besitzen auch eine schwache Immunantwort. Krankheitserreger können ihre Abwehrschranken überwinden und so ihren Organismus anstecken. Im Falle einer Herzinnenhautentzündung sind das die Staphylokokken, übertragen durch Lebensmittel, Streptokokken, übertragen beim Niesen, seltener Enterokokken. Sie stammen aus dem Wasser oder aus rohem Fleisch.

Spezielle Gefahrensituationen begünstigen eine Endokarditis

Wer sich in Kürze einer Zahnbehandlung unterziehen muss, sollte überlegen, ob dieser Eingriff für ihn infektiös sein könnte. Bei der Sanierung kariöser Zähne, bei einer Wurzelbehandlung oder auch schon bei der professionellen Mundhygiene kann es zu einer vermehrten Keimbelastung im Körper kommen.

Vorbeugend verabreicht der Zahnarzt deshalb Antibiotika, um die Gefahr einer Herzinnenhautentzündung so gering als möglich zu halten. Dazu benötigt er detaillierte Informationen des Patienten zu Vorerkrankungen oder Herzimplantaten. Dasselbe Risiko besteht auch im Zusammenhang mit einer Mandeloperation oder bei einer chronischen Nasennebenhöhleneiterung.

Symptome und Anzeichen

Die eingedrungenen Erreger verursachen Entzündungen an der Herzinnenwand und in der Folge Ablagerungen, Vegetationen genannt. Diese Gebilde setzen sich aus Blutblättchen, Gewebeeiweiß und Entzündungszellen zusammen. Sie können zu Abszessen führen, die Herzklappensegel angreifen, die Haltefäden implantierter Herzklappen zerstören. Dadurch wird die Pumpleistung des Herzmuskels erschwert, mit fortschreitendem Entzündungsprozess sogar verunmöglicht.

Betroffene fühlen sich erschöpft, schwitzen, leiden an hohem Fieber, Kopfschmerzen, Schwindel und geringem Appetit. Neben diesen akuten Schüben existieren mildere Verlaufsformen, die genauso lebensbedrohend sind. Sie zeichnen sich durch einen Gewichtsverlust sowie den Mangel an roten Blutkörperchen aus. In beiden Fällen sollte umgehend ein Termin beim Internisten oder Kardiologen vereinbart werden.

Eine Endokarditis kann auch als Folgeerkrankung oder gemeinsam mit einer Herzmuskelentzündung auftreten.

Diagnose

Wie erkennt der Arzt eine Herzinnenwandentzündung?

Im ersten Schritt wird der behandelnde Mediziner mit dem Stethoskop die Brust des Patienten nach auffälligen Herztönen abhören. Im zweiten Schritt wird er eine Blutprobe abnehmen. Daraus wird im Labor eine Zellkultur angelegt, aus der sich der Erregertyp ablesen und die richtige Antibiotikatherapie finden lässt. Danach folgt eine kombinierte Ultraschalluntersuchung des Herzens:

Ein mit Gel bestrichener Schallkopf wird dabei über den Brustkorb bewegt. Der Computer rechnet die Ergebnisse in Bilder um und gibt dem behandelnden Arzt Auskunft über Ablagerungen, Eitergeschwüre, enge oder undichte Stellen.

Ein biegsamer Schlauch wird in die Speiseröhre des Patienten eingeführt und bis in den Herzbereich vorgeschoben. Damit lässt sich die Diagnose Endokarditis untermauern.

Behandlung und Therapie

Bestätigt sich der Verdacht auf Vorliegen einer Infektion, kommt es zu einer umgehenden Einweisung in die Klinik. Aufgrund der Lebensgefahr würde eine orale Antibiotikatherapie zu langsam wirken, um die Gefahr für den Patienten abzuwenden. Im Krankenhaus wird das Medikament über die Vene verabreicht.

Betroffene sollten sich auf einen Aufenthalt von 4 bis 6 Wochen einstellen. Schließlich müssen alle Erreger restlos aus dem infizierten Herz entfernt werden. Ohne Therapie steigt die Gefahr für einen Gefäßverschluss oder die Ausbreitung der Infektion in andere Organe, im schlimmsten Fall ins Gehirn. Schlussendlich würde die Situation zu Multiorganversagen und damit zum Tod führen.

Endokarditisprophylaxe

Bei Endokarditis (Herzinnenhautentzündung) handelt es sich um eine für den Betroffenen gefährliche und nicht selten kompliziert verlaufende Erkrankung. Um die Infektion sowie die Ausbreitung von Bakterien zu verhindern, müssen insbesondere Hochrisikopatienten vor und nach medizinischen bzw. zahnärztlichen Eingriffen, bei denen es zu Blutungen kommt, eine Behandlung mit Antibiotika durchführen.

Was ist eine Endokarditisprophylaxe?

Die Endokarditis ist eine schwer behandelbare Entzündung der Herzinnenwand. Diese kommt durch die Besiedelung mit Pilzen oder Bakterien zustande, die durch den Blutkreislauf an den Herzklappen gelangen können. Dies ist insbesondere bei Patienten mit künstlichen Herzklappen, mit angeborenem Herzfehler, nach vorangegangener Herztransplantation oder Bioprothesen der Fall.

Die Antibiose wird somit bei Hochrisikopatienten bei sämtlichen chirurgischen Eingriffen, aber auch einer Vielzahl anderer medizinischer Behandlungen empfohlen. Patienten sollen somit etwa 30 bis 60 Minuten vor dem geplanten Eingriff Antibiotika zu sich nehmen. Die Empfehlung nach der AMA liegt bei einer Dosierung von 2g Amoxicillin. Bei Allergie gegen Penicillin bietet Clindamycin in einer Dosierung von 600 mg eine adäquate Alternative.

Wer muss die Prophylaxe durchführen?

Patienten, mit einem sehr hohen Risiko für eine Herzinnenhautentzündung sowie Patienten, bei denen das Komplikationsrisiko am höchsten ist, profitieren in höchstem Maße von einer Endokarditis-Prophylaxe. Das sind unter anderem:

  • Patienten mit künstlichen Herzklappen (biologische und mechanische Prothesen)
  • Herzklappenfehler
  • Patienten mit angeborenem Herzfehler: operierte (künstliche Röhrchen) und nicht operierte Herzfehler mit Blaufärbung der Haut
  • Patienten nach überstandener Herzinnenwandentzündung
  • Patienten nach Herztransplantationen
  • Patienten nach Herzschrittmacherimplantation

Wann ist eine Behandlung sinnvoll

Die antibiotische Therapie dient der Vorbeugung und Einschränkung der Verbreitung und Besiedelung der herznahen Gefäße durch Mikroorganismen. Die Endokarditis-Prophylaxe ist dann notwendig, wenn Gefahr besteht, dass Bakterien in den Blutkreislauf gelangen können. Dies ist kann zum Beispiel bei folgenden Behandlungen der Fall sein:

  • Bei Behandlungsmaßnahmen im Mund und Rachen: bei Zahnärztlichen Eingriffen, wie Extraktionen, Wurzelkanalbehandlungen, Parodontitis-Behandlungen. Aber auch bei Standardbehandlungen, bei denen das Zahnfleisch verletzt werden kann und es zu Blutungen kommt, wie etwa beim Zahnsteinentfernen oder bei einer Professionellen Zahnreinigung. Ferner gehören Eingriffe an den oberen Luftwegen, wie etwa die Extraktion von Mandeln oder Polypen zu den Risikooperationen.
  • Aber: Bei Behandlungsmaßnahmen im Magen-Darmtrakt, der Haut oder der Harnwege ist eine Antibiose nur dann erforderlich, wenn eine Infektion der Organe vorliegt. Weiter wird die Gabe von Antibiotika bei Gastroskopie (Magenspiegelung), Koloskopie (Darmspiegelung und auch bei Zystoskopie (Blasenspiegelung) nicht mehr empfohlen.

Risiko einer Endokarditis mindern

Eine besondere Bedeutung für die Endokarditis-Prophylaxe kommt der Mundhygiene zu. Das heißt: Patienten mit Endokarditis unterliegen einem höheren Risiko, dass Bakterien im Rahmen einer Routineaktivität, wie etwa Zähneputzen oder Kauen, kurzfristig in den Blutkreislauf eingeschwemmt werden. Insbesondere, wenn bereits Entzündungen des Zahnfleischapparates bestehen, ist das Risiko von Endokarditis bei zahnärztlichen Eingriffen deutlich höher.

Laut Aussage der Experten in den neulich veröffentlichen Leitlinien der American Heart Association schützt das gesunde Zahnhalteapparat und eine ausgeglichene Mundflora möglicherweise sogar besser vor Bakteriämie als die Gabe von Antibiotika.

ESC-Leitlinie: Neue Leitlinie zur bakteriellen Endokarditis-Prophylaxe

Die Indikation gegenüber vorangegangenen Empfehlungen für Endokarditis-Prophylaxe ist deutlich eingeschränkt worden. Insbesondere für Patienten mit einem erworbenen Herzfehler ohne oder vor Herzklappenoperationen wird die Gabe von Antibiotika vor zahnärztlichen oder medizinischen Eingriffen nicht mehr empfohlen.

Gründe für die Empfehlungsänderung nach den ESC-Leitlinien:

  • Das Auftreten einer Endokarditis bei Hochrisikopatienten ist – anders als bisher angenommen – wahrscheinlicher bei alltäglichen Aktivitäten wie Zähneputzen oder Kauen als im Rahmen einer (zahn)ärztlichen Behandlung. Ausschlaggebend für diese Einschränkung war auch der nicht verifizierte Nachweis der Wirksamkeit einer Antibiotika-Therapie bei diesen Behandlungen. So konnte bisher keine Studie zur Wirksamkeit der Endokarditis-Prophylaxe zeigen, dass das Risiko einer Endokarditis durch die Einnahme von Antibiotika, im Rahmen einer zahnmedizinischen oder medizinischen Prozedur, effektiv verringert werden konnte.
  • Ferner wird die Einschwemmung von nur einer sehr geringen Anzahl von Mikroorganismen, welche die Herzwände angreifen können, verhindert.
  • Sehr ungünstige Aufwand-Nutzen-Konstellation, da hohe Resistenzentwicklung. Somit stehen Nachteile einer Antibiotika-Therapie ungünstig zum Verhältnis einer bisher fehlenden Wirksamkeit der Endokarditis-Prophylaxe. So wird die Endokarditis-Prophylaxe bei Eingriffen im oberen Gastrointestinal- und Urogenitaltrakt zum Beispiel wegen der Resistenzentwicklung gar nicht mehr empfohlen.

Aus den oben genannten Gründen wird eine Endokraditis-Prophylaxe nicht mehr primär aufgrund eines erhöhten Infektionsrisikos für das Auftreten einer Herzinnenwandentzündung empfohlen, sondern lediglich für Patienten, die zu einer Hochrisikogruppe angehören, wie etwa Patienten mit einem angeborenen Herzfehler, Patienten mit Herzschrittmacher oder mit Herztransplantationen.

Nach den neuen ESC-Leitlinien wird eine Endokarditis-Prophylaxe lediglich auf Patienten mit einem hohen Endokarditis-Risiko beschränkt. Insbesondere bei Behandlungen, bei denen es zur Blutung und damit einer Einschwemmung der Bakterien in den Blutkreislauf kommt. Dahingegen gewinnt die konsequente Mundhygiene zur Senkung des Entzündungsrisikos immer mehr an Bedeutung. Denn laut der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DKG) hatten 80 Prozent der Patienten mit einer Herzinnenwandentzündung keinen (zahn)ärztlichen Eingriff vor dem Ausbruch der Erkrankung.

Somit mussten die Bakterien auf einem anderen Weg in den Blutkreislauf gelangt worden sein. Daher macht es Sinn, erkrankte Zähne und Zahnfleisch rechtzeitig und adäquat zu sanieren.

Für fachkundige Informationen sollten Sie sich unbedingt direkt an einen Arzt wenden! Alle Angaben und Informationen sind ohne Gewähr.